Dickmanns 1987a: Es wird ein Ansatz zur Verarbeitung von hochfrequenten Bildfolgen vorgesteilt, der die Bildauswertung auf das ,jeweils letzte Bild der Folge beschraenkt und trotzdem - durch glaettende Integrationsoperationen - auch Ableitungsgroessen wie rotatorische und translatorische Geschwindigkeiten zu bestimmen gestattet. Dies gelingt durch gleichzeitige Verwendung von dreidimensionalen Koerper- und Bewegungsmodellen gemeinsam mit den Gesetzen der perspektivischen Abbildung. Diese integralen Modelle ueber den beobachteten Prozess in der Welt und den (sehr flexiblen) Messvorgang durch Sehen werden im Sinne der modernen Regelsystemtheorie in einem rueckgekoppelten Wirkungskreis zur Schaetzung der Zustandsvariablen in Raum und Zeit verwendet. Das Konzept wurde an drei Anwendungsbeispielen erprobt: Einem ebenen Andockmanoever zwischen zwei räumlichen Objekten, der autonomen Fuehrung von Strassenfahrzeugen und dem automatischen, sichtgeregelten Landeanflug eines Flugzeugs.

1. EINLEITUNG
Der heute allgemein uebliche Weg bei der Verarbeitung von Bildfolgen ist gepraegt durch die quasistatische Interpretation von Einzelbildern und anschliessendem Bildvergleich zur Bestimmung von Unterschieden in der Lage von Objekten; hieraus wird dann auf die Bewegung der Objekte im Raum geschlossen. Diese Vorgehensweise mag in der geschichtlichen Entwicklung der digitalen Bildverarbeitung, die bei der Fernerkundung mit zeitlich relativ weit auseinanderliegenden Einzelfotos ihren Anfang nahm, begruendet sein.
  Nun ist aber aus der Biologie und Physiologie bekannt, dass piktoriales Sehen und Bewegungssehen unterschiedliche Entwicklungen darstellen, wobei stammesgeschichtlich gesehen das Bewegungssehen das aeltere System ist. Der Psychologe Yonas hat nachgewiesen, dass auch bei Kindern zunaechst das Bewegungssehen und erst spaeter die Faehigkeit zum piktoriaien Sehen ausgebildet wird [YONAS 83].